"Knigge"

Wer war Freiherr Adolph von Knigge?

Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig von Knigge, salopp einfach „Knigge“, war einer der bedeutendsten deutschen Aufklärer des 18. Jahrhunderts, begeisterter Freimaurer, scharfsinniger Philosoph und streitbarer Publizist. Doch prominent wurde er vor allem mit seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ – durch dieses Buch wurde sein Name zum Synonym für Benimm- und Anstandsbücher aller Art.

„Knigge für Weintrinker“ – „Business Knigge“ – „Büro-Knigge“ – „Der neue Knigge“ – „Der moderne Knigge“ – „Der große Knigge“ – „Restaurant-Knigge“ – „Zicken-Knigge“ ...

Mit all diesen mehr oder weniger ernst gemeinten Ratgebern hat Freiherr von Knigge nur wenig zu tun. Er hat weder über den „richtigen“ Umgang mit Messer, Gabel und Löffel am Esstisch philosophiert noch jemals verboten, Fisch oder Gemüse mit dem Messer zu schneiden. Auch die Frage, wann und wo welcher Anzug angemessen ist und ob der Handkuss unter freiem Himmel schicklich sei, war ihm keine Zeile wert.

Vielmehr ist „Über den Umgang mit Menschen“ eine Betrachtung über den individuellen und gesellschaftlichen Anstand in Deutschland. Zugleich ist diese Sammlung philosophischer Ratschläge und soziologischer Betrachtungen eine praktische und verblüffend en vogue erscheinende Anleitung, um „[...] die Kunst des Umgangs mit Menschen“ zu erlernen, „[…] die Kunst, sich bemerkbar, geltend, geachtet zu machen[...]; sich ungezwungen in den Ton jeder Gesellschaft stimmen zu können, ohne weder Eigentümlichkeit des Charakters zu verlieren, noch sich zu niedriger Schmeichelei herabzulassen“.

Der sprichwörtliche „Knigge“ ist also gar keine Benimmfibel, sondern eine vernünftige, ganz pragmatische Lebensphilosophie, mit der der revolutionäre Edelmann 1788 den normalen Bürgern die Umgangsformen des Adels und somit die Geheimcodes des damaligen guten Stils für den esprit de conduite – die Kunst des Umgangs mit Menschen – an die Hand gab.

Der Wegbereiter der Aufklärung ahnte wohl kaum, dass er einmal als Etikettehüter und Erfinder der feinen Manieren in die Geschichte eingehen und als Namensgeber für diverse „Knigge Bücher“, „Knigge Seminare“ und „Knigge Kurse“, für „Knigge Trainings“, „Knigge Regeln“ und „Knigge Experten“ sowie für den „Knigge Rat“ und sogar für eine „Knigge Akademie“ fungieren würde. Und dass heute, 200 Jahre nach seinem Tod, bei jeder vermeintlich passenden Gelegenheit der angebliche „Knigge“ zitiert wird, obwohl doch kaum einer je das Original seines Bestsellers gelesen hat.